Mit Haut und Knorpel

In sechs Lichtenberger Markthallen haben sich Berliner Vietnamesen ein Klein-Hanoi erbaut. Hier verkaufen sie, was ihnen gefällt, ohne Rücksicht auf die Vorlieben der Deutschen. Die kommen trotzdem, auch um zu erleben, wie die Nationalsuppe Phò wirklich schmeckt.

 

Der Supermarkt Achau24 im Dong Xuan Center versorgt Vietnamesen mit Rambutans, Zimtäpfeln oder Schweineohren.

 

Der Supermarkt Achau24 im Dong Xuan Center versorgt Vietnamesen mit Rambutans, Zimtäpfeln oder Schweineohren.

Um zwölf Uhr essen gehen? Auf keinen Fall, sagt Tran Cong Thanh. Um zwölf Uhr schlage in Vietnam die Stunde des Pferdes, und wer halbwegs bei Sinnen sei, bewege sich um diese Zeit nicht von der Stelle. Weil das Pferd einen niedertrampeln könnte? Und überhaupt: welches Pferd? Thanh hebt die Schultern. So genau wisse er das leider nicht. »Da müssten Sie unsere Alten fragen.« Doch die sind weit weg.

Thanh steht in einer wattierten Jacke auf einem Parkplatz in Berlin-Lichtenberg, das gar nicht so licht ist, wie der Name nahelegt, eher zugig. Breite Straßen, schmucklose Häuser, am Horizont wachsen Plattenbauten in den Himmel. Viele Erdgeschosse sind vernagelt, ab und an findet man eine Arztpraxis oder ein Küchenstudio, aber kein Café, in dem man sich aufwärmen könnte. Der Parkplatz liegt auf dem Gelände des ehemaligen VEB Elektrokohle, gut versteckt hinter einer Backsteinruine mit eingeschlagenen Fenstern. Hinge über der Zufahrt nicht die rot-gelbe Leuchtreklame »Dong Xuan Center«, nichts würde darauf hindeuten, dass man schon nach wenigen Schritten in Asien ist. Man muss nur eine der sechs Wellblechhallen auf dem Gelände betreten.

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